Historischer Hintergrund und Hauptfiguren

Zwischen 1618 und 1648 herrschte in Europa Krieg. Dieser Dreissigjährige Krieg war sowohl ein Religionskrieg zwischen Protestantismus und Katholizismus, als auch ein Krieg um die Vormachtstellung der grossen europäischen Königshäuser in Europa. Auf der einen Seite standen Kaiser und Katholische Liga sowie die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien mit ihren jeweiligen Verbündeten, auf der anderen die Protestantische Union, die Niederlande, Dänemark und Schweden, sowie Frankreich, das in erster Linie seine Grossmachtinteressen verfolgte. Der Krieg mit seinen wechselnden Allianzen brachte für die Bevölkerungen Verwüstung, wirtschaftliche Zerstörung, soziales Elend, Hungersnöte und Seuchen.

Als Bündner Wirren werden die zwischen 1618 und 1639 dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen bezeichnet, die aus dem heutigen Kanton Graubünden einen Kriegsschauplatz im „Dreissigjährigen Krieg“ machten. Dabei ging es um die Kontrolle der Bündner Alpenpässe und damit unter anderem auch um das Veltlin. Die Pässe und die Befestigungen im Veltlin spielten sowohl für die Koalitionen Frankreich-Venedig als auch Österreich-Spanien eine strategisch entscheidende Rolle. Im Kanton Graubünden, bzw. in den Drei Bünden unterhielten die tonangebenden Adelsfamilien einträgliche Beziehungen zu den verschiedenen Höfen Europas, die mit Pensionen, Bestechungsgeldern und Soldverträgen einflussreiche Personen und Familien an sich banden. Die eine Gruppe hielt zu Österreich-Spanien, die andere zu Frankreich-Venedig. Zu den Freunden Österreichs gehörte die katholische Familie der Planta, auf der Seite Frankreichs stand die reformierte Familie Salis.

Der Duc de Rohan (Herzog von Rohan), Henri II. de Rohan (21. August 1579 – 13. April 1638), war zwischen 1610 und 1629

das Haupt der Hugenottenaufstände in Frankreich. Während dieser Aufstände erwarb er sich solides strategisches Wissen in Gebirgskriegen, das ihn für seinen späteren Einsatz als französischen Feldherrn in Graubünden prädestinierte. Am 27. Juli 1629 zwang er den französischen König zu einem Frieden, der den Protestanten zwar ihre politische Bedeutung nahm, aber ihre Religionsfreiheit sicherte. 1631 schickte ihn Ludwig XIII. nach Graubünden, wo er den Befehl über die von Frankreich angeworbenen Truppen übernahm. 1634 warf er, unterstützt durch Jörg Jenatsch, die Spanier und Österreicher aus dem Veltlin. 1636 besiegte er die Spanier am Comersee, nachdem er den Herzog von Lothringen aus dieser Gegend vertrieben und auch die Kaiserlichen und Spanier wiederholt geschlagen hatte. Wegen eigenmächtigen Abschlusses eines Vertrags 1637 zurückgerufen, begab er sich ins „protestantische Rom“ nach Genf, und 1638 an den Rhein in das Lager des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar. Er wurde am 28. Februar 1638 in der Schlacht bei Rheinfelden schwer verwundet und starb am 13. April in Königsfelden. Jörg (auch Jürg oder Georg) Jenatsch (1596 – 1639) war ein Bündner Pfarrer und Politiker. Ab 1618 beteiligte sich Jenatsch an den Parteikämpfen innerhalb der Drei Bünde. Er trat als fanatischer Gegner der spanisch-katholischen Partei auf und war mitverantwortlich für den Justizmord an Nicolò Rusca, dem Erzpriester von Sondrio. 1620 entkam er knapp dem Veltliner Protestantenmord.

Als Racheakt ermordete Jenatsch im Jahre 1621 mit einigen Helfern den Führer der spanischkatholischen Partei in den Drei Bünden, Pompejus Planta, auf seinem Schloss Rietberg. Nach dem Einmarsch der Spanier und Österreicher in den Drei Bünden 1620 wurde das Land in den Dreissigjährigen Krieg hineingezogen. Jenatsch begann eine militärische Karriere, zuerst als Partisanenführer, dann als Hauptmann der Kavallerie in der Armee des pfälzischen Generals Ernst von Mansfeld. 1627 stieg er zum Major auf und liess sich auf ein Duell mit seinem Vorgesetzten ein, Oberst Jacob von Ruinelli, den er erdolchte. Im folgenden Jahr trat er in venezianische Dienste ein, wurde dort aber inhaftiert und zog darauf 1629 mit seiner Familie auf das Schloss Katzensteig bei Bischofszell im Thurgau.

 Als 1634 der Duc de Rohan im Auftrag des Kardinals Richelieus Graubünden besetzte, war Jenatsch im Rang eines Obersten seine rechte Hand. Da aber Richelieu Absichten zeigte, Graubünden und dessen Untertanengebiete als Pfand für den Friedensschluss zu behalten, führte Jenatsch zur Befreiung seiner Heimat Verhandlungen mit Österreich-Spanien. Zu diesem Zweck trat er 1635 zur katholischen Kirche über. Mit Unterstützung Spaniens zwang er die Franzosen am 5. Mai 1637 zum Abzug. Zugleich gelang es ihm mit diplomatischem Geschick, von Spanien die Rückgabe des Veltlins an Graubünden zu erreichen. Von da an war Jenatsch der politische und militärische Lenker seines Landes, wurde als "Direktor" des spanisch-österreichischen Bündnisses mit Reichtümern überschüttet und durch Philipp IV von Spanien geadelt. Bei einem nächtlichen Gelage in Chur wurde er in der Fasnachtszeit in der Wirtschaft des Pastetenbäckers Lorenz (Laurentz) Fausch, dem "Staubigen Hüetli", am 24. Januar 1639 von einer Gruppe maskierten Verschwörern ermordet. Jenatschs Mörder konnte nie ermittelt werden.