Das Vorspiel:

Bünden vor 500 Jahren.

Bündner Dorf. Dörfler arbeiten. In einem verwunschenen Park in Graubünden: Drei Kinder, Käthi, Jörgli und Ruadi, spielen Verstecken. Sie stossen überraschend auf einen efeuüberwucherten Sarkophag und beugen sich voll Neugier über die modrig riechende, drohend hallende Tiefe, der plötzlich eine längst vergangene Geschichtsepoche zu entsteigen scheint: Das Grufti-Defilee, bestehend aus dem Duc de Rohan, Jürg Jenatsch und Pompejus von Planta sorgt für Gruselstimmung…


Die Personen:

Der Dreissigjährige Krieg (1618 – 1648), hauptsächlich ein Religionskrieg in der Epoche der so genannten Gegenreformation, tobt durch die Länder Europas. Auf der reformierten Seite, auf der auch die regierenden Häupter der von Salis stehen, erscheinen der Herzog Henry Duc de Rohan, Marguérite de Béthune, seine Frau und Séverine, die Tochter der beiden, gefolgt von Rohans Marschall de Coeuvres, dem Offizier de Lecques und Asniers, dem Chef Comptable, auch und gerade in Kriegszeiten eine wichtige Figur aus dem Kriegsschauplatz der Drei Bünde. Aber wer auch nicht fehlen darf ist, bien sûr, Jürg Jenatsch, Pfarrer und Oberst, mit seiner wild zusammen gewürfelten Soldateska, den wir im Vorspiel als Jörgli kennengelernt haben. Eine zu Unrecht oft vergessene Gestalt ist Andreas Brügger, der Kommandant des rohantreuen Bündner Regiments auf der Luzisteig. Schliesslich erleben wir die quicklebendige, inzwischen ebenfalls erwachsene Katharina von Planta (im Vorspiel Käthi), Tochter des von Jenatsch auf grausame Weise ermordeten Pompejus von Planta, der nach seiner Konversion zum Katholizismus zum Führer der katholischen Partei aufgestiegen ist. Weitere wichtige Bündner Persönlichkeiten aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges vervollständigen die Palette.

Professor Pimbraschtus von Prolegymena streut hie und da notwenige geschichtliche Hintergrundinformationen ein.


Die Handlung:

Eine kurze Übersicht über die Akte zeigen im 1. Bild die "Bündner Wirren" – da irren versprengte Heeresteile umher und Truppen in Auflösung wogen vorüber. Jenatsch kommt aus dem Veltlin zurück, wo er in Berbenn reformierter Pfarrer war. Sein Pferd zieht einen Wagen, auf dem ein Sarg liegt, in dem nach seinen Aussagen seine von den Katholische ermordete Ehefrau Anna Buol liegen soll. Er schwört Rache, für den im Veltlin von den Katholischen auf Befehl des Pompejus Planta begangenen „sacro maccello“: Er vertauscht die Bibel und die Pfarrerskutte mit dem Schwert und der Uniform eines Hauptmanns. Ein Bänkelsänger schildert den Mord an Pompejus von Planta auf Schloss Riedberg, und Jenatsch, der Mörder, hält eine grossspurige Rede und entpuppt sich als Demagoge, der die Seite wechselt. Im 2. Bild befinden wir uns in einem Palazzo in Venedig und werden Zeuge der Vertrauensfrage, die der Duc de Rohan dem Bündner Obersten Jenatsch stellt: und so wird das Bündnis zwischen

dem Freistaat der drei Bünde und Frankreich besiegelt. Das Ziel des Bündnisses: Das Veltlin von den katholischen Mächten Spanien und Habsburg zurückzuerobern.

Das 3. Bild: Wieder zurück im Bündner Dorf. Das französische Zeltlager wird aufgebaut. Abmarsch ins Veltlin. Ausgelassene Siegesfeier im Dorf nach dem Sieg über die Spanier im Veltlin. Gefeiert wird Rohan, doch voller Neid auf die Beliebtheit des „guten Herzogs“ beginnt Jenatsch zu konspirieren. Es setzt eine Kabale ein, indem er den geheimen „Kettenbund“ um sich schart. Da es mit dem Nachschub des französischen Soldes hapert, kommen Rohan und Aniers in Zahlungsschwierigkeiten:

Ein gefundenes Fressen für Jenatsch, sich heimlich von Rohan abzuwenden und mit den katholischen Habsburgern und Spaniern Fühlung aufzunehmen sucht.

Das gespenstische 4. Bild zeigt uns die klammheimliche Konversion Jenatschs zum Katholizismus in einer Kapuzinerkapelle in Rapperswil.

Im düsteren 5. Bild werden wir Zeugen, wie in einem tiefen Keller der Churer Altstadt in aller Heimlichkeit

der „Kettenbund“ gegen Rohan geschmiedet und besiegelt wird.

Im 6. Bild sehen wir als eine Art gefühlvolles Zwischenspiel den "Wolf im Klostergarten": Jenatsch, der seine Karriere mit

einer guten Partie besiegeln möchte, beginnt seine zukünftige Beute, Katharina von Planta, einzukreisen. Der Wolf frisst

Kreide und wird sogar zum empfindsamen erotischen Dichter, wenn es gilt, seinen Karriereplan generalstabsmässig durchzuführen.

Im 7. Bild erleben wir mit ungläubigem Staunen den brachialen Rausschmiss des "bon Duc", wie das Bündner Volk von tiefer Dankbarkeit erfüllt seinen Retter und Friedensstifter von jetzt ab und bis in alle Zukunft nennen wird, durch den zum selbst ernannten Diktator aufgestiegenen Jenatsch und seine Bande.

Im 8. Bild erleben wir eine "höllische Brautwerbung" in der Kirche. Jenatsch will Katharina von Planta einem wahren Teufel

gleich handfest an die Kledage, um sie mit Gewalt ins eheliche Himmelbett zu zwingen. Aber als Showdown gipfelt unser

Drama in Jenatschs Ermordung, für einmal bewusst anders als in den Geschichtsbüchern…

9. Bild: Der nackte Wahnsinn! Katharina reitet auf Rohans Hengst „Joujou“, der vor der Kathedrale angebunden ist, in die

Nacht davon, in eine Welt nach Jenatsch. Sie findet ihr Glück an einem Strand in Südfrankreich und kann endlich alles

vergessen, was sie durchgemacht hat.

Im Nachspiel streiten sich die Dörfler über die Bedeutung des Patrioten, Freiheitshelden oder eben

doch blutrünstigen Diktators Jürg Jenatsch…

Durch den Verrat Jenatschs stürzt der Freistaat der Drei Bünde von neuem in ein über ein Jahrhundert dauerndes Chaos,

das erst mit der Kantonsgründung 1803 beendet sein wird. Der Geschichtsprofessor erzählt auch das Ende des „bon Duc“.